Auf Antrag der KVEL wird über die Einführung einer EU-weiten Finanztransaktionssteuer und eines Verbots von Leerverkäufen abgestimmt. Schnell zeichnet sich ein parteiübergreifendes Bündnis des linken Spektrums ab, sodass der Änderungsantrag mit 70 zu 60 Stimmen (bei neun Enthaltungen) angenommen wird. Das SIMEP-Parlament spricht sich damit für eine ausgeweitete Regulierung der europäischen Finanzmärkte aus.
Dass dieser linke Schulterschluss mehr als eine vorübergehende Laune ist, wird schnell deutlich. Auch der Antrag der Grünen-Fraktion, eine unabhängige europäische Rating-Agentur einzurichten, findet über die Fraktionsgrenzen hinweg Zustimmung. Die ALDE allerdings weist darauf hin, dass eine von der Politik etablierte Rating-Agentur international auf wenig Glaubwürdigkeit treffen wird. Die EVP äußert darüber hinaus Zweifel an der Unabhängigkeit einer solchen Institution. Diese Zweifel aus dem liberal-konservativen Lager können jedoch das wirtschaftspolitische Linksbündnis aus KVEL, S&D und Grünen nicht erschüttern. Bei 67 zu 67 Stimmen (drei Enthaltungen) Gleichstand wird der Antrag angenommen.
Bei der abschließenden Abstimmung über das kontroverse wirtschaftspolitische Papier kommt es fast zum Eklat. Weil dieses nun eine deutlich linke Handschrift trägt, deutet sich schnell an, dass zahlreiche Abgeordnete der konservativen Fraktionen dem Papier ihre Zustimmung verweigern werden. Nachdem Mitglieder der Schlichtungskommission darauf hingewiesen hatten, dass die Ablehnung des Papiers bedeute, dass das SIMEP-Parlament sich nicht zur Euro-Krise äußere, stellt die EVP die Integrität der SIMEP in Frage. Die Stimmung ist denkbar gespannt. „Diese Abstimmung ist eine Farce“, ruft ein Abgeordneter der EVP.
Schließlich wird der Antrag mit 82 Pro-Stimmen, überwiegend aus dem linken Lager, nur relativ knapp angenommen.